Verbrecher und Verbrecherjäger Der Grazer Hans Gross gründete im Jahr 1896 am Landesgericht für Strafsachen Graz ein Kriminalmuseum, das als Lehrmittelsammlung für junge Untersuchungsrichter dienen sollte. Diese Sammlung transferierte er an die Uni Graz, an welcher er im Jahr 1912 das erste kriminologische Universitätsinstitut in Europa gründete. Die „Grazer Schule der Kriminologie“ war bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein die Speerspitze der Kriminalwissenschaft und genoss großes internationales Ansehen – diese Zeiten sind vorbei, das Hans Gross Kriminalmuseum der Karl-Franzens-Uni Graz erinnert aber nach wie vor an den „Vater der Kriminologie“ und an die von ihm begründete Wissenschaft.
Kriminaltechniken Im Kriminalmuseum wird die Entwicklung verschiedener Kriminaltechniken nachvollziehbar dargestellt: Daktyloskopie, Körpervermessungstechniken wie die Bertillonage und diverse Methoden von Blutuntersuchungen, ballistischen und anderen kriminalistischen Untersuchungen werden ebenso anschaulich dargestellt wie die in Graz entwickelte Kriminalbiologie. Diese war ein aus heutiger Sicht zweifelhaftes Verfahren, bei dem sich die Kriminologen in die untersuchten Kriminellen „intuitiv hineinversetzten“ und so, unterstützt durch die Interpretation des Körperbaus, den Charakter der Delinquenten „erkennen“ zu können glaubten.
Marmorsäule, Tatortkoffer und Co. Hans Gross und seine Nachfolger waren die Vorläufer von „CSI“, und im Kriminalmuseum kann man etwa 3000 corpora delicti bestaunen, die die Verbrecherjäger im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen haben. Darunter befinden sich etwa ein Spucknapf, der als Pistolenversteck diente, Brandlegungsapparate, Stockdegen und Schießstöcke, ein Nudelwalker, der als Geldversteck diente, ein Buttermesser, mit dem ein Sohn die abnorm dünne Schädeldecke (man spricht da von einem „Papierschädel“) seines Vaters durchstieß, jede Menge Gifte und Hieb-, Stich- und Schlagwerkzeuge sowie eine sogenannte „Marmorsäule“, die als Blumenvasenständer im Wohnzimmer aufgestellt war und als Versteck für die Leichenteile einer ermordeten Frau diente. Über 1500 Fälle sind mehr oder weniger ausführlich dokumentiert. Ein zentrales Ausstellungsobjekt ist der von Hans Gross entwickelte „Tatortkoffer“, in dem der Kriminalist alles mit sich führen sollte, was er zur Verbrechensaufklärung brauchte: Aktenpapier, Chemikalien für diverse Untersuchungen, Messinstrumente, Schrittzähler, Kompass, Feldstecher – und auch kurios anmutende Accessoires wie ein kleines Kreuz mit zwei Kerzen (zur Vereidigung von Zeugen), eine Dose mit Bonbons (um das Vertrauen von Zeugen im Kindesalter zu gewinnen), Zigarren (um den oft lästigen Leichengeruch zu übertünchen) und Wechselstrümpfe (wer arbeitet schon gerne mit nassen Füßen).
Spannende Kriminalfälle Zusätzlich zu Informationen zur Kriminologiegeschichte, kriminaltechnischen Werkzeugen und corpora delicti werden zahlreiche spannende Fälle präsentiert, die zum Beispiel von Geldfälschungen und Betrügereien, unglücklichen Unfällen und kaltblütigem Mord erzählen. Auch wenn der zur Verfügung stehende Raum nur klein ist – das Kriminalmuseum umfasst nicht viel mehr als 120 m² Raumfläche – wird dem Besucher eine Vielfalt an Information geboten, die über die Kriminalgeschichte hinaus auch sozial- und mentalitätsgeschichtliche Kontexte lebendig werden lassen.
Sonderveranstaltungen Zusätzlich zur ständigen Ausstellung werden immer wieder besondere Veranstaltungen angeboten, Krimilesungen ebenso wie Schauspiel- und Kabarett-Aufführungen, Buchpräsentationen und Literaturabende. Vom 9. bis 14. März 2009 etwa wird es eine Woche lang spezielle Abendführungen geben, und am 16. Mai 2009 nimmt das Kriminalmuseum an der Internationalen Nacht der Museen teil („La nuit des musées“), in deren Rahmen Johann Zotter, der Leiter der Handschriftensammlung der UB Graz, einen Vortrag über Geschichte und gegenwärtige Bedeutung der Gaunersprache, des „Rotwelsch“, halten wird. Weitere Sonderveranstaltung sind in Planung – informieren Sie sich direkt beim Kriminalmuseum!
Öffnungszeiten Mo (außer feiertags): 10.00 bis 15.00 Uhr Führungen um 11.00 und 14.00 Uhr Sowie jederzeit gegen Vereinbarung (telefonisch oder per E-Mail)
Eintrittspreise
| Erwachsene: |
€ 3,00 |
| Gruppen ab 10 Personen: |
€ 2,50 |
| Schüler, Studenten, Präsenzdiener, Behinderte, Seniorencard: |
€ 2,00 |
| Bei Vorweis des Familienpasses des Landes Steiermark wird für begleitende Erwachsene ein Nachlass von € 1,00 gewährt |
Information und Kontakt Hans Gross Kriminalmuseum der Karl-Franzens-Universität Graz Hauptgebäude / Kellergeschoß Univ. Platz 3, 8010 Graz T: +43 (0)316/380-6514 F: +43 (0)316/380-9410 E: kriminalmuseum@uni-graz.at; christian.bachhiesl@uni-graz.at www.uni-graz.at/kriminalmuseum |